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Rheinischer Karneval aus der Sicht einer Österreicherin!

 

Von Null auf Hundert angekommen im Rheinischen Karneval.
 
Den Rheinischen Karneval habe ich bisher nur im Fernsehen verfolgt oder – seit ich hier im Rheinland bin – von der Straße aus in Bachem verfolgt. Ich muss zugeben, ich verkleide mich nicht sehr gerne. Aber dieses Jahr war alles anders! Als beschlossen wurde, dass die Marinekameradschaft Frechen v. 1928 e.V. wieder einen Wagen stellt, wollte ich das unbedingt erleben. Schon die Vorbereitungen waren spannend. Welches Wurfmaterial kauft man? Und wo? Ich wollte unbedingt auch Plüschtiere und Strüßjer! Alles klar und ab Jahresanfang 2015 wurde so nach und nach Wurfmaterial eingekauft. Natürlich tauschte man sich mit den anderen MK Mitgliedern, die auch am Wagen sind, aus. Die hatten ja viel mehr Erfahrung! Ein paar Tage vor dem „Zoch“ wurde alles gleichmäßig in große Säcke verpackt. Unter anderem auch deshalb, damit wir uns die Strecke besser einteilen konnten.  
 
Richtig begonnen hat für mich der Rheinische Karneval mit der Kölschen Mess am 1. Februar 2015 en dr Hellich-Jeis-Kirch zo Bachem. Die MK Mitglieder trafen sich vor der Kirche, um gemeinsam mit dem Dreigestirn in die Kirche einzuziehen. Ja wo gibt’s denn so was??? Am helllichten Sonntagvormittag strömen maskierte Menschen in Richtung Kirche. Ich war der Meinung, hier ist in der Nähe eine karnevalistische Veranstaltung. Aber nein, die gingen alle in die Kirche!!! In Salzburg wäre so etwas undenkbar. Ein kostümierter Mensch am Sonntag um 11.00 Uhr am Vormittag. Der ist von gestern übrig geblieben und sucht den nach hause Weg.  Alle Heiligen an den Wänden würden rotieren. Und dann der Einzug mit „ Kumm , loss mer fiere“. Karnevalslieder in der Kirche !? Niemals.  Es war nicht einfach, einen  Text in Kölsch mit einer mir unbekannten Melodie mitzusingen. Aber ich singe nun mal gerne, also musste es irgendwie gehen. Nur beim Sanctus habe ich gestreikt. Endlich eine Melodie, die ich kannte uns so habe ich anstatt „hellich , hellich ,….“ dieses Lied in meiner Muttersprache, nämlich Deutsch, gesungen. Ganz besonders angetan hat es mir auch die gemeinsame  Predigt von Pfarrer und Diakon, die in einer Art Büttenrede sehr humoristisch als Rede und Gegenrede Ihre Jahre in Bachem in kölscher Mundart rekapituliert haben.  Das Lied „wenn et Trömmelche jeiht“  war ein herrlicher Abschluss zum Auszug aus der Kirche .
 
Am Freitag den 13. trafen wir uns dann zum beladen unseres Wagens. Jeder bekam seinen Platz am dreistöckigen blau/weißen MK - Wagen zugeteilt. 1. Etage Bert de Roode, Liesl Hamacher ( Ehefrau der Jungfrau Petra ) mit Nachbarskind und Hannelore Ossmann – Dee. In der 2. Etage Wir = Barbara Brunner und Hans Josef und Tobias Halfkann und Emmi Reichert. Und ganz oben, wie es sich gehört, der 1. Vorsitzende der MK , Eugen Kolberg mit Enkelin und der Geschäftsführer Josef Nathan mit Ehefrau Hannelore und den Enkelkindern.                    
 

Faschingsamstag, 14. Februar 2015.  Um 12.00 Uhr Treffen im MK Heim. Kurze Stärkung mit Kartoffelsuppe oder Frikadellen. Um 13.30 Uhr ging es zur Aufstellung zum MK Wagen. Herrlicher Sonnen-schein begleitete uns. Verschiedene Musikgruppen

übten bereits und heizten die Stimmung an. Noch schnell ein Gruppenfoto und dann nichts wie rauf auf den Wagen. Die Behälter mit Wurfmaterial füllen und ein paar Strüßjer und Stofftiere bereitlegen. Man lässt sich von der Stimmung mitreißen. Kurz nach 14.00 Uhr fuhr ein Wagen nach dem anderen an uns vorüber bis wir an der Reihe waren. Man wünschte sich gegenseitig einen schönen Tag und viel Spaß  und um 14.30 Uhr war es so weit, es ging los! Noch standen nur wenige Menschen am Straßenrand.                         
 
Die ersten Rufe nach Kamelle erreichten uns und ab da gerät man in einen „Schwebezustand“. Am Liebsten würde man die Kamelle ja richtig rausschaufeln, aber der Weg ist noch weit. Um von hier oben jemanden zu erkennen, müsste derjenige schon laut rufen. Mit Begeisterung habe ich die Stofftiere und die Strüßer geworfen. Kamellewerfen überließ ich Tobias. Es war einfach schön, das alles zu genießen. Es gab auch immer wieder lustige Situationen. Bert de Roode entpuppte sich als hervorragender Werfer. Wo hat er das nur gelernt ???  Er traf exakt in die offenen Fenster und erntete damit viel Applaus. Auch aus der obersten Etage trafen die Kamelle in viele geöffnete Fenster. Was ja auch leicht ist, wenn man so weit oben steht.  
 
In der „Fankurve“ der MK wurde es dann natürlich laut. Leider haben nicht mehr als 12 Personen Platz am Wagen! Unsere Vorräte wurden schnell weniger und wir mussten einteilen. Es war ja erst der halbe Weg geschafft. Wir wollten ja auch für die 2. Hälfte noch
Wurfmaterial haben. Nach etwa 2 Stunde kamen wir ans Ziel. Es war alles verteilt und geworfen, was wir Alle gebunkert hatten.                            

Fazit: das Schönste waren die „Danke“ die zurückkamen wenn die Plüschtiere zielgenau trafen oder die Schokotäfelchen in die richtigen Hände kamen. Sehr viele Herren bedankten sich extra für ein Strüßje. Damit konnten sie sicher zu hause punkten!

Dann ging es zurück in MK Heim zum gemütlichen Beisammensein. Ich brauchte einige Zeit,  um wieder auf den Boden zu kommen. Etwas später traf dann auch das Dreigestirn ein. Die MK stellte ja die Jungfrau Petra und gab ihr bei vielen Veranstaltungen das Geleit. Prinz Peter bedankte sich nochmals herzlich für die Unterstützung der MK. Einen besonderen Applaus bekam MK Mitglied Bruni Jachwitz. Bruni hat die Bekleidung des Dreigestirns passend gemacht und für Bauer Manfred neu genäht und wurde für ihre gute Arbeit geherzt und geküsst und es wurde ihr mit dem Damenorden gedankt . Schriftführerin B. Brunner bekam als Neuling im Rheinischen Karneval ebenfalls den Damenorden überreicht.                          
 
Falls die MK mal wieder einen Wagen stellt – ich bin gerne wieder dabei. Es ist mir eine Ehre und ein unvergessliches Erlebnis, auf diese traditionelle Weise die MK Frechen und auch den Deutschen Marinebund repräsentieren zu dürfen. Auf ein Neues und ein Dreifaches MK Frechen Alaaf.                        
 
Text: Barbara Brunner

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Jahresfahrt der MK vom 07.05-10.05 zum 823. Hamburger Hafengeburtstag

 

Liebe Leser, ein fröhliches MOIN MOIN zur Begrüßung.

Es ging wieder, wie im Vorjahr, auf große „MK-Fahrt"„ Richtung Norden.                                      
                                
Dieses Mal war die spannende und abwechslungs-reiche „Hansestadt Hamburg“ unser Ziel. Wir fuhren auf eine Geburtstagsfeier der besonderen Art und Weise. Vor allem, weil das Geburtstagskind schon mindestens 823 Jahre alt ist. Denn so oft wird in Hamburg schon der“ Hafengeburtstag“ gefeiert.
Das Alter der Stadt erschließt sich aber nicht im ersten Moment, denn diese riesengroße Hafenstadt strotzt nur so von vielen supermodernen Bauten und modernen Hafenanlagen, gemeinsam mit den vielen, toll restaurierten Gebäuden der Vergangenheit, wie z.B. der alten Speicherstadt mit ihren Fleeten.                      

Das gibt der Stadt einen großen Spannungsbogen, der ein modernes und trotzdem urbanes, gemütliches Flair vermittelt, in dem man sich sofort wohl fühlt. Einfach sehr schön, sehr interessant, vielfältig und gut gelungen. Da waren tolle Architekten und Stadtplaner am Werk.                                         

Hierzu gehört natürlich  auch die sündige Meile der Reeperbahn. Aber ich denke, die mitreisenden, männlichen Teilnehmer, waren“ zwangsläufig“ doch mehr an dem Programm des Hafenfestes interessiert, zumal fast alle ihre „Beiboote“ im Schlepp hatten.
Ich muss gestehen, dass ich schon ganz gerne wieder einmal ein Auge auf die Klipp Klapp Deern`s riskiert hätte. Eben nur, um auf dem Laufenden zu sein und zu schauen, ob das, was wir immer singen, auch heute noch aktuell ist. . Aber es hat sich leider keine Zeit für einen Besuch ergeben.                  

Was soll`s, dann halt beim nächsten Besuch. Wollte ja auch nur mal schauen; was sonst? Wenn ich als Kölner, ohne „Neid“, so ein Loblied auf Hamburg anstimme, dann muss das wohl stimmen, denn an sich halten wir ja unser Köln, mit seinem Dom für die „schönste“ Stadt. So genug der Lobhudelei über das alte Geburtstagskind, mit dem Namen „Hansestadt Hamburg“.

Nun zu unserem Reiseverlauf:                                 

Wie immer hatte Josef Nathan und seine Frau Hannelore diese Reise geplant, und im Vorfeld der

Reise natürlich eine  günstige Kostenplanung angestellt. Denn es ist ja allgemein bekannt, dass bei solch großen „Events“, wie einem Hafenfest, die Quartiere teuer und rar sind, bzw. schon lange im voraus bestellt werden müssen, wenn man zentral wohnen möchte. Mit über 50 Reiseteilnehmer nicht ganz einfach, wenn nicht sogar unmöglich. Aus dem Grund, da für die Planung natürlich nicht schon ein Jahr oder länger im voraus eine Unterkunft festgelegt werden konnte, haben wir in Bad Oldesloe im Hotel TRYP by Wyndham, unser Quartier bezogen. Weil wir unseren Bus dabei hatten, war es kein Problem unser Reiseziel Hamburg jeden Tag für unsere Unter-nehmungen anzusteuern.                            

Die Unterkunft war zweckmäßig, und über das Frühstück und das Abendessen konnte man nicht meckern und ruhig und gut schlafen konnte man auch. Nach dem Abendessen ging es an die lange Hoteltheke, an der dann in fröhlicher Runde noch so manches Bierchen, Schnäpschen oder was es sonst noch gab, gezischt wurde.                                       

Die Reise von Bachem nach Bad Oldesloe verlief ohne Probleme. Wir fanden für unser Frühstück zwar keinen guten Rastplatz. Aber trotzdem ist keiner hungrig und durstig geblieben, denn an der frischen Luft und in Gesellschaft schmeckt es ja bekanntlich immer gut, zumal die Frühstückspause wegen einer Umleitung auch relativ spät eingelegt wurde.                          

Eine nette Begebenheit, die ich auf der Hinfahrt beobachtete, möchte ich euch, liebe Leser, aber nicht vorenthalten. Selbstverständlich wurde unterwegs auch eine „Gesundheitspause“ an einer Tankstelle eingelegt, in der jeder seinen Bedürfnissen nachkommen konnte, wie z.B. Rauchen, Trinken, oder die „Sanifair“ Räume aufzusuchen. Da die“ Sanifair- Anlagen“, pro Person, nur gegen Bezahlung einer Gebühr, durch ein Drehkreuz betreten werden kann, war ein großes schlankes Ehepaar so geschickt, sich aneinander festzuhalten, um so, gemeinsam mit einem Geldeinwurf, das Drehkreuz zu überwinden. Das lief so geübt und schnell ab, dass ich vermute, dass dies nicht die erste Drehkreuzüberwindung im Zweierpack war.
Was man als schlanker Mensch doch alles sparen kann!!!

Am zweiten Tag der Reise, nach einem guten Frühstück im Hotel, ging die Busfahrt von Bad Oldesloe in die Innenstadt  von Hamburg. In der Nähe der Landungsbrücken sind wir ausgestiegen um an vielen, vielen Fressbuden, die auf der Hafenmole aufgebaut waren, Richtung Landungsbrücken zum Anlegesteg der Barkassen zu gelangen. Die Hafenrundfahrt begann dann mit der sehr launigen Ansage des Kapitäns durch den Hafen und die Fleete der Speicherstadt. Hierbei schipperten wir auch durch die neu erbaute „Hafen City, mit ihren zum Teil sehr futuristischen Gebäuden, die sich im Konnex zu den alten Gebäuden der Speicherstadt mit ihren Kanälen sehr harmonisch einfügt. Ein besonderer Hingucker ist natürlich die neue Elbphilharmonie, die zentral am Eingang zur alten Speicherstadt über allen Gebäuden thront. Bei unserer Hafenrundfahrt begegnete uns eine schöne, alte Bekannte, und zwar die Holländische Dreimastbark „Artemis“, mit der viele von uns im vorigen Jahr 2014 einen tollen Segeltörn in der Dänischen Südsee unternommen hatten. Auch das uns bekannte  Schwesterschiff“Atlantis“, eine alte Holländische Dreimastbark, begegnete uns auf der Rundfahrt. Es wurden Erinnerungen wach. Denn auf diesem Törn war es, bedingt durch sehr gutes Segelwetter (Wind und Sonne) möglich, unter vollen Segeln, in einer Wettfahrt mit der Atlantis, immerhin über 10 Knoten zu erreichen. Eine beachtliche Geschwindigkeit für ein solch großes Segelschiff.
Hierbei muss natürlich der tüchtige Einsatz der „Trainees“ erwähnt werden, die an Bord waren, ohne die, die entsprechenden Segelmanöver nicht möglich gewesen wären.                                      

Bei diesem Törn haben sich alle Teilnehmer, bedingt durch die starke Krängung des Schiffes, “Seebeine“ geholt, die aber der Begeisterung keinen Abbruch getan, und auch keine bleibenden Schäden hinter-ließen. Ich werde am 15.8. d.J. mit den “Tall-Ship Friends“ wieder auf der Artemis, die wir für eine Woche komplett gechartert haben, von Bremerhaven nach Amsterdam segeln, wo in beiden Städten große Hafenfeste stattfinden. Auf unserer Hafenrundfahrt sind wir vielen alten großen Segelschiffen, wie der „Dar Mlodziezy“ ein polnisches 3-Mast-Vollschiff, der „Mir“ ein russisches 3-Mast-Vollschiff, der „Alexander von Humboldt II“ (mit ihrem grünen Rumpf), eine 3-Mast-Bark, der“ Gorch Fock II“, Segelschulschiff der Bundesmarine, und vielen anderen Traditionsschiffen begegnet. Die an den Landungsbrücken fest-gemachten Schiffe waren ein wunderbarer Anblick, welcher sicher noch lange in Erinnerung bleibt. Selbstverständlich ging es auch in den Teil des Hafens, in dem die riesigen Verladebrücken für die „Ozeanriesen“ standen. Diese Riesenschiffe haben mittlerweile ein Ladevolumen von über 18.000 Container, und können vollbeladen, wegen ihrem Tiefgang, den Hamburger Hafen nicht mehr ansteuern. Um das zu ermöglichen, müsste die Elbe erst dringend tiefer ausgebaggert werden, was auf den Widerspruch von Naturschützern, Fischer etc. stößt.                          

Es ist einfach gigantisch, wenn man mit der Barkasse, die tief im Wasser liegt, an diesen Riesen vorbeifährt, und sieht die Höhe der Containerladung und Schiffsaufbauten. Vorbei geht es an Neubauten von Jachten, russischer Auftraggeber, die bis zu rund 140 m Länge erreichen und über viele Decks verfügen. Die Baukosten dieser Extrem-Luxusjachten belaufen sich auf viele Millionen Euro. Nach dem Sinn solch großer Jachten zu fragen verbietet sich. Es ist meiner Meinung nach, einfach nur Großmannssucht auf höchstem Niveau, von Oligarchen, die über unbegrenzte Mittel verfügen. Die HH- Werften, auf denen sie gebaut werden, sind über solche Aufträge sicher begeistert, wenn sie dann am Ende auch bezahlt werden, was aber in der Vergangenheit nicht immer geschehen ist, und die Jacht dann Jahre lang gut verpackt, an der Pier im Hafen auf ihre Abnahme wartete.    

Nach der Hafenrundfahrt ging es zurück zum Bus, zur großen Stadtrundfahrt, durch und um Hamburg. Der zugestiegene Reiseleiter, ein Vielredner, der uns mit Fakten, Zahlen und Beschreibungen so volltextete, dass man Mühe hatte seinen Vorträgen zu folgen, erklärte uns dann während der Fahrt die Hamburger Sehenswürdigkeiten. Weniger wäre allerdings oft mehr gewesen, zumal die Stadtrundfahrt  über drei Stunden dauerte, und man über diese lange Zeit einem Dauerredner nicht wirklich zuhören kann. Ok. vergessen wir das. Was allerdings gut war, wir haben die Innenstadt ebenso wie die Hafenanlagen, die Köhlbrandbrücke, schöne Villenviertel, den Lieblingsitaliener von Udo Lindenberg, (ständiger Wohnsitz im 5* Hotel Atlantik), Baugrundreserven für evtl. Stadien der Olympischen-Spiele , Schiff-Begrüßungsanlage „Höft“ an der Elbe, und, und, und gesehen.

Mir hat nachher nicht nur der Kopf gedröhnt, sondern ich hatte auch Hunger und Durst und war froh, als wir wieder in unserem Hotel in Bad Oldesloe angekommen waren. Das Bierchen und das Abendessen im Hotel, haben dann die Müdigkeit schnell vergessen lassen. Nach dem obligatorischen gemütlichen „Absacker“ an der Hotelbar, ging es müde, mit vielen, neuen Eindrücken ins Bett.                                 

Dritter Tag der Reise:                                          
Heute stand als wichtigster Punkt die Besichtigung des Hamburger Rathauses auf unserem Besuchs-programm. Gut gestärkt und gut gelaunt ging es nach dem Frühstück mit dem Bus wieder Richtung Hamburg. Das Wetter war zwar nicht ganz so toll, aber wir hatten ja einen Innentermin, bei dem das Wetter keine große Rolle spielte.                                            

Im Centrum vor dem Hamburger Rathaus ange-kommen, sammelten wir uns in der großen Rathaushalle die recht beeindruckend ist. Da Josef Nathan natürlich eine Rathausbesichtigung organisiert hatte, wurden wir zur Führung in die oberen Räume geleitet. Die, weil Samstag und kein Amtsbetrieb, auch alle zu besichtigen waren.                     

“Das war Spitze“                                        
                
Nun ging es in die heiligen Hallen, Büros und Treppenhäuser, die alle im Originalzustand erhalten sind. Trotz stärkster Kriegszerstörungen der Stadt im zweiten Weltkrieg, fiel auf das Rathaus nur eine einzige Bombe, die nicht explodierte. War das ein Glück! Der ausgebaute Zünder dieses Blindgängers ist zur Erinnerung im Großen Festsaal des Rathauses, welcher ca. 1000 qm groß ist, zur Besichtigung ausgestellt. Weil das gesamte Rathaus, es hat mehr Zimmer wie der Buckingham-Palast der englischen Königin in London, im Originalzustand erhalten ist, sind natürlich alle Räume für die Fraktionen, die Sitzungen, der Saal für die Abgeordneten der Bürgerschaft, und das Prachtbüro des Oberbürgermeisters, in altem Baustil erhalten. Vor allem auch die gesamte historische Ausstattung der Inneneinrichtung. Das war schon beeindruckend, und ein Hinweis auf die große Vergangenheit als wichtige und reiche Stadt des Hanse-Bundes.
Der derzeitige Hamburger SPD Oberbürgermeister Olaf Scholz, residiert in seinem Dienstzimmer wahrlich in einem fürstlichen Ambiente. Aber er ist ja auch ein Landesfürst, mit den Befugnissen eines Minister-präsidenten. Wir hatten ja auch eine amtierende Amtsperson in unseren Reihen, und zwar unseren beliebten CDU Bürgermeister, Hans Willi Meyer, aus Frechen. Es war uns eine besondere Freude, dass er als Mitglied der Marinekameradschaft Frechen, zusammen mit seiner Gattin, an unserer Reise teilgenommen hat. Da er als CDU Bürgermeister nur noch bis September 2015 im Amt ist, wünschen wir ihm und seiner Gattin an dieser Stelle schon einmal alles Gute für die Zukunft.                                             
Nach der beeindruckenden Besichtigung, war „freies-Manöver“ angesagt. Eine Uhrzeit und ein Treffpunkt wurde festgelegt, an dem der Bus uns wieder aufnahm zur Rückfahrt ins Hotel.                                

Die Wünsche der Einzelnen, was er unternehmen und noch sehen wollte, waren vielfältig.                     
Da war der Wunsch das Schlepperballett zu sehen, Volker Müller zogen die Imbissbuden mit ihren leckeren Fischbrötchen an. Sehenswert war es auch, die Schiffe an den Landungsbrücken einmal aus der Nähe zu besichtigen, einen Stadtbummel auf dem Jungfernstieg zu unternehmen, lecker Essen zu gehen, Besichtigung bei „Wunderwelt der Technik“ in der Speicherstadt, usw. usw. Ich denke, für jeden war etwas dabei.
Franz und ich entschlossen uns zu einer Alster-Rundfahrt bei strahlendem Sonnenschein.                     
Es war eine schöne, gemütliche Bootsfahrt, wobei wir unter anderem an allen Stellen vorbeikamen, die wir am Vortag, bei der Stadtrundfahrt, von der Landseite aus gesehen hatten. Es war noch einmal recht eindrucksvoll von der Alsterseite aus, die schönen Villen der Hamburger „Pfeffersäcke“, mit ihren gepflegten Parks und blühenden Gärten zu sehen.      

Pünktlich trafen sich zum vereinbarten Zeitpunkt und Ort alle Reiseteilnehmer, um die Rückfahrt nach Bad Oldesloe anzutreten. Keiner war verloren gegangen, keiner kam zu spät. Ein besonderes Lob an alle für diese Disziplin.                             

Ein Tag mit vielen Abwechslungen und Eindrücken ging seinem Ende entgegen.                                 

Der Wettergott war uns bis auf ein paar Regenschauer gut gesonnen. Jeder konnte sein persönliches Programm an diesem Nachmittag gestalten und wahrnehmen.

Nach dem Abendessen wieder Treffpunkt an der Hotelbar, wobei es viele vorzogen, sich für die Rückfahrt auszuruhen. Leider waren die erlebnisreichen Tage, auf die sich alle lange gefreut hatten, schon wieder vorbei.                                   

Die Rückfahrt von Bad Oldesloe nach Frechen verlief bis auf kleinere Staus problemlos. Es war ja Sonntag und kein LKW-Verkehr. So landeten wir alle wohlbehalten wieder in Bachem.                            

An dieser Stelle möchte ich Josef und Hannelore Nathan für die tolle Organisation und Durchführung dieser Reise, im Namen aller Teilnehmer, ein großes „Dankeschön“ sagen.                       

Es war ein schöner „Geburtstag“, an dem wir alle gerne teilgenommen haben.                                 

Freuen wir uns auf die nächste gemeinsame Reise, wohin auch immer.                                        

Tschüss ihr Lieben und „Auf Wiedersehen“.                   
                  
Bericht: Wilfried Möller

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VIERTAGESTOUR VOM 17.09. BIS 20.9.2015 DES SHANTY – CHOR NACH DELFSTAHUIZEN FRIESE MEREN HOLLAND


Reisebericht  einer Tour in die Niederlande unter dem Motto

"In, om en met het water."

Dieses Jahr hatten unsere Scouts Volker Müller und Bert De Roode sich etwas Besonderes ausgedacht. Ein Ausflug in das schöne Friesland mit seinen vielen Kanälen und großen Binnenmeeren. Ein tolles Segelrevier und hervorragend geeignet für gemütliche Fahrten mit einem Kajütboot. Volker und Bert zwei ausgewiesene „Seeleute“,  kennen das gesamte Gebiet von früheren Bootstouren, wie ihre Westentasche.
Bert als gebürtiger Niederländer, ist in dieser Welt des Wassers, der vielen unterschiedlichen Boote, der schönen Landschaft und wunderschönen alten Orte groß geworden und  sozusagen hier zu Hause.
Volker hatte über viele Jahre ein eigenes Motorboot und ist  ebenfalls überwiegend in Friesland über die Kanäle und Meere geschippert.

Diese zwei Kameraden, die den Ort Delfstrahuizen, einen Ortsansässigen großen Bootsverleiher, und das Hotel/Restaurant Tjongervallei, von einer früheren Reise her gut kannten, hatten hier für uns Quartiere in einer umgebauten „Melkfabriek“ gebucht.

Die Anreise erfolgte  in einem kleinen Bus mit einem schweigsamen russischen Fahrer, der uns allerdings sicher und zügig an unseren Zielort brachte. Ursprünglich wollte uns Peter Hamacher fahren. Leider war das nicht möglich, weil sich bei der Übernahme des Busses herausstellte, dass ihm für diese Fahrt die erforderliche „Fahrerkarte“ fehlte. Diese  ist bei  Fahrten mit Dienstfahrzeugen, die er manchmal durchführt,  nicht erforderlich.

Daher als Ersatzfahrer, der schweigsame junge Russe, der aber gut Deutsch sprach.

Im Hotel Tjongervallei, einem ehemaligen umgebauten Molkereibetrieb gelandet, wurden uns die relativ einfachen aber zweckmäßigen Zimmer zugewiesen und wir bekamen neben  den Zimmerschlüssel, ein kleines Säckchen mit einer Anzahl von Wertmarken ausgehändigt, die im Reisepreis endhalten waren.

Gepäck kurz abgestellt und schon saßen wir im Restaurant am gemütlichen Holztisch und genehmigten uns den Ersten Kaffee
oder das Erste Bierchen. Wir waren gut angekommen und das Restaurant Ambiente war zum Wohlfühlen.
Bezahlt wurde mit den Wertmarken im Wert von € 2,50. Alle Getränke vom Wasser, Kaffee, Bier oder hochprozentigem Getränk bis zum Wein, waren  für eine Wertmarke zu haben. Eine praktische Lösung der Bezahlung, im Gegensatz zu der Abrechnungsweise in den übrigen niederländischen Gaststätten, wenn man in einer Gruppe von Einzelzahler an einem Tisch sitzt, was regelmäßig beim Zahlen zum Chaos führte.

Das Hotel lag unmittelbar an einem vielbefahrenen Hauptkanal und so konnten wir in gemütlicher Runde, durch die Fenster die vorbeifahrenden Segel- und Motorjachten betrachten. Junge, Junge, da fuhren schon tolle „Kähne“ vorbei.
Wir hatten mittlerweile Hunger, und wurden dann an einen riesengroßen, ovalen,  eingedeckten Tisch gebeten, der auf einem Podest im Restaurant stand. Hier hatten alle 17 mitgereisten Kameraden zusammen Platz.
Wir saßen da, wie die Ritter  der Tafelrunde, nur ohne Rüstung. Das fing ja vornehm an, zumal der Tisch mit Kerzenleuchter und sonstigem Tischschmuck  festlich dekoriert war. Ich dachte im Stillen, mm..  wann kommt das Brautpaar?  Kam aber nicht.

Dann wurde uns ein mehrgängiges Menü zügig serviert, dass uns erst einmal staunen lies.Wir haben nicht nur gestaunt, sondern es war ein lukullisches Erlebnis. Ich glaube darauf war keiner der Mitreisenden vorbereitet und ich sah in dieser ja für alle übersichtlichen Runde, nur zufriedene und anerkennende Gesichter.

War es vor dem Essen in der lockeren Runde nicht unbedingt leise, so hatte sich das, nachdem das Essen aufgetragen wurde, sofort geändert. Jeder hat sich die unterschiedlichen Köstlichkeiten vom Süppchen bis zum Nachtisch schmecken lassen. Zufrieden und gesättigt begaben wir uns von der Tafel, in den hinteren Teil des Restaurants, wo  wir uns gegenüber einem Cabrio-Oldtimer-fahrzeug an einem großen Tisch zum „Trunke“ niederließen.
Vorher wurde aber Frans dem Koch, der an die Tafel kam, um sich zu erkundigen ob es auch allen geschmeckt hatte,  mit einem kräftigen Applaus gedankt. Am späteren Abend, vor der Dunkelheit, hatte an der Pier die dem Hotel vorgelagert ist, ein schönes, altes, nostalgisches Motorschiff festgemacht. Wie dann bekannt wurde, sollte am kommenden Morgen mit diesem Salonboot mit dem Namen  „Clasina“  eine  „Se(h)ereise“  unternommen werden. Na denn; das Bötchen sah schon mal gut aus, hoffen wir auf gutes Wetter.

Kurz noch einige technische Daten der Clasina:  Baujahr 1914 auf der Werft „De Amstel“, Länge 20 m, Breite 3,86, Passagiere 40 Personen, Innenausstattung Holz im Jugendstil Interieur, DAF 142 PK Dieselmotor, sehr gemütlich.

Am kommenden Morgen, Frühstück an der bereits geschilderten Tafel, Wetter ist prima, ein WC funktioniert nicht, ansonsten Stimmung und Schlaf gut. Auf dem Schiff wird Proviant gebunkert, Volker kommt mit seiner Quetsch. Alle Mann vollzählig anwesend. Das Boot wird geentert, wir besetzen das Sonnendeck.
 
Die schöne Clasina legt ab, zur Fahrt auf dem Kanal.Die Bänke am Oberdeck sind vom Tau zwar noch etwas feucht, aber das wird sich bald ändern und in der Sonne abtrocknen.

Ach!!  ist das schön, wieder auf einem Schiff zu sein, der Dieselmotor tuckert gleichmäßig, eine nette sympathische junge Frau bedient uns, die Sonne wird stärker, wir fahren unter mehreren Brücken her, und Kapitän Piet Hettinga steuert vom Kanal auf die erste große Wasserfläche. Wir sind alle zufrieden, das ist das, was uns Freude macht, was wir von der Reise erwartet haben.

Unsere Scouts Bert und Volker besprechen mit dem Kapitän welche Orte angefahren werden sollen, z.B. Sloten, Stavoren, Heeg  und Lemmer. Mir war das völlig egal, ich habe diese Fahrt sehr genossen, weil ich von vielen Bootsreisen in früheren Jahren, diese Gegend auch ganz gut kenne und viele schöne Erinnerungen damit verbunden sind.  Mir wurde deutlich bewusst, dass ich mittlerweile wie das Auto im Restaurant auch zu den Oldtimer gehöre.
Nun zu unserer Fahrt über das „Friese Merengebied uit Heeg“. Volker war natürlich von dieser Stimmung auch angetan, zumal die Sonne inzwischen hell vom Himmel schien. Er griff zu dem Koffer in dem seine Quetsch lag, und uns war klar, dass jetzt musiziert und gesungen würde. Für mich etwas ganz besonderes, auf einem fahrenden Schiff, bei strahlendem Sonnenschein, auf einem Binnengewässer in Friesland, Shanty’s  auf dem Oberdeck eines über 100 Jahre alten Schiff zu singen.

Das Leben kann manchmal doch ganz schön sein. Wenn ich in dieser Situation angenommen hatte, die Stimmung wäre an diesem Tag nicht mehr zu toppen, dann hatte ich mich getäuscht.

Zwischendurch wurden lecker belegte Brötchen gereicht, die vom Hotel aus, mit auf die Reise genommen wurden. Alle Getränke die wir uns wünschten waren  an Bord, und konnten mit den Wertmarken unseres Hotels bezahlt werden.

Wir hatten die alten Friesenorte Sloten, Stavoren und Heeg mit Ihren wunderschönen Windmühlen, Häusern und Häfen passiert, wie es dann Richtung Lemmer ging.
Ein Städtchen wie aus dem Bilderbuch, mit seinen blitzsauberen Häuser +  Gärten und den vielen Segelschiffen in den riesen großen  Marinas. Das Städtchen Lemmer liegt rechts und links an einem breiten Kanal der mitten durch die Stadt durch eine Schleuse ins Ijsselmeer führt. An diesem gibt es auf beiden Seiten am Ufer, jede Menge Kaffees, Restaurants, und Fischbratereien  mit Außengastronomie. Wir fuhren erst einmal langsam durch das Städtchen bis zum Schleusentor, um dann vor dem Tor zu wenden und zurück zu fahren.
Wir stellten uns an Deck auf, Volker hängte sich das Akkordeon um, und dann veranstalteten wir einen Shanty – Flashmob. Laut singend und musizierend fuhren wir langsam in der Mitte des Kanals durch das Städtchen, um die vielen Besucher die rechts und links am Ufer saßen, mit  unserer Musik zu erfreuen.

Piet der Kapitän auch ein Musikliebhaber, steuerte sein Schiff  in der Mitte des Kanals, was wegen des übrigen Bootsverkehrs nicht ganz einfach war. Es klappte aber prima. An Land verursachten wir mit unserer maritimen Musik natürlich einiges Aufsehen. Die Fotoapparate und Kameras wurden gezückt, die Fenster und Türen  in den Häuser gingen auf, um zu hören was da los war, und wir sangen und spielten mit Begeisterung unsere Shanty’s. Die  vielen am Kanal sitzenden Zuhörer klatschten Beifall. Wir waren genauso begeistert über diesen Erfolg wie die Zuschauer.

Leider hatte Käpten Piet nicht mitbekommen, er war zu stark mit seinem Schiff beschäftigt, das uns eine Bootsbesatzung zur Belohnung eine Pulle Schnaps rüberreichen wollte. Hat aber leider nicht geklappt. Selbst dem Brückenwächter der die Brücke hochfuhr, hatte die Musik so gut gefallen, dass wir kein Brückengeld zahlen mussten.

Ja eine Seefahrt die  ist lustig!!

Nun ging es wieder auf verschiedenen Kanälen zurück, Richtung Hotel „Tjongervallei“. An diesem Abend stand  nach dem  lukullischen „Abendmahl“ im Hotel, eine Weinprobe auf dem Programm.
Nachdem wir wieder köstlich “ Diniert“ hatten, versammelten wir uns langsam um  einen Tisch im Restaurant, auf dem die Wirtin eine große Auswahl von Rot- und Weißweinen aufgebaut hatte. Die Fachkundige Wirtin kredenzte zuerst die Rotweine, erklärte die

einzelnen Sorten, und schenkte eine Probe des jeweiligen Weines ein. Nach mehreren Proben wurden die Zungen lockerer, und ich musste zu meinem Erstaunen feststellen, dass viele Kameraden, die ich bisher nur als strickte Biertrinker kannte, sich anscheinend fachkundig, über die verschiedenen Weinsorten äußerten.

Ich als Nichtkenner, konnte nur staunen wie diese schlürften, schmatzten und wissend das Gesicht  verzogen. Das Wissens-potential über die unterschiedlichen Weinsorten schien mir  recht groß zu sein.   O, Wunder!!

Das Gleiche war auch bei der Probe der Weißweine festzustellen. Ich hatte schon bei der Ersten Probe die Segel gestrichen, und mich nur noch als Zuschauer betätigt. Aber als bekennender Wassertrinker bin ich ein eben ein“ Weinbanause“.

Nach der Weinprobe, Applaus für die geduldige Aleid, die  mit den wirklichen Weinkennern, die natürlich auch dabei waren, lebhaft diskutierte. Nach diesem“ Event“, zogen wir uns in die hintere Räumlichkeit des Restaurants zurück.  Was wurde da geordert; ein kühles Helles zum nachspülen. Genug Wein an diesem Abend.
An dieser Stelle muss ich unbedingt über einen “Papageien-dompteur“  berichten der es fertig gebracht hatte, das ein etwas zerrupfter, 35 Jahre alter Blau Ara des Hotels, auf das  Kommando bzw. die Gestik  unseres Chorleiters Volker reagierte.

Wenn Volker seine Arme anhob und nach oben ausbreitete, dann blinzelte der Vogel kurz schaute und erwiderte diese Übung durch anheben und ausbreiten seiner bunten Flügel. Eine beeindruckende Nummer, die ich mir selbst angesehen habe. Ja, ich sage ja, Dompteur bleibt Dompteur, egal ob es sich um einen Papagei oder Chorsänger handelt, der auf seine Kommandos hört. Der Unterschied besteht nur darin, die Chorsänger schauen den Chorleiter nicht immer an, und blinzeln auch nicht.  Dagegen werden die Arme bei einem bestimmten niederländischen Lied sehr wohl auch durch die Luft bewegt, und der Sprachschatz der Sänger ist größer wie der des Papagei, was aber nicht in jeder Probensituation Förderlich ist.

Für den nächsten Tag stand eine Busfahrt nach Sneek mit Besichtigung einer Brennerei auf dem Programm. Ok;  lassen wir uns einmal überraschen. Eine Busfahrt kennen wir ja schon und eine Schnapsbrennerei ist uns auch nicht unbekannt. Die Spannung auf den nächsten Tag war nicht übermäßig groß. Aber warten wir erst einmal ab, was unser Niederländer und unser Chorleiter ausbaldowert haben.
Um 9.30 Uhr war eine Fahrt nach Sneek geplant. Als pünktliche Reiseteilnehmer, wir gehorchen ja auch fast immer bei unseren Proben, versammelten sich alle vor dem Hotel zur Abfahrt. Da kam ein gelbes Ungetüm auf den Parkplatz gefahren. Wir staunten nicht schlecht, es war ein gelber Original Oldtimer- Schulbus  aus der Stadt Baltimor in den USA. Na, das war eine Überraschung, als es  hieß,  „Alle Mann aufsitzen“, der Bus ist für uns. Neugierig kletterten wir in den Bus, der wirklich noch im Original-zustand, einwandfrei restauriert, fahrbereit und für die Straße zugelassen, für uns bereitstand.

Der Bus rund 40 Jahre alt, mit abenteuerlichen Armaturen, Blattfedern, Notausgang nach hinten, breiten Sitzen (sehr bequem für mich) großem Lenkrad, ohne Servolenkung, usw., vermittelte uns ein ganz ungewohntes Fahrgefühl. Wir, mit unseren Stoßdämpfer ausgestatteten Fahrzeugen, sind ja keine starren Blattfedern gewohnt. So konnten wir mit unserem Allerwertesten und der Wirbelsäule genau feststellen, wie der Zustand der Straße war, ohne auch nur einen Blick auf die selbige zu werfen.

Na toll!  Von wegen „Gute alte Zeit“.

Aber Interessant war diese harte Erfahrung trotzdem. Das gelbe Ungetüm wurde  von den Passanten allendhalben freundlich betrachtet und wir durch Winken begrüßt. Die werden sich wahrscheinlich gedacht haben, och; da sitzen aber viele alte Schüler mit weißen Haaren drin, ob die eventuell alle sitzen geblieben sind, und jetzt immer noch zur Schule fahren müssen??

Eine kleine Zwischen- Geschichte von mir, in Erinnerung an Baltimor. Meine Gedanken bei der Fahrt waren in den USA. Ich habe Ende 2014 die Stadt Baltimor  an der amerikanischen Ostküste, von New York aus kommend besucht, und natürlich die allgegenwärtigen modernen gelben Schulbusse auch dort im Straßenverkehr gesehen.
Die heutige äußere Form der modernen Schulbusse, unterscheidet sich nur unwesentlich von dem Oldtimer, mit dem wir unterwegs waren. Wenn ich an Baltimor denke, dann ist mir ein Bild  ganz fest in Erinnerung, und zwar das Denkmal am Hafen, vor dem World Trade Center dieser Stadt. Auf einem weißen Marmorsockel liegend,  total verdrehte, abgerissene und verbogene  Reste riesiger  genieteter Stahlträger, aus den eingestürzten Türmen in New York, zur Erinnerung an dieses  unvergessene Unglück am 9.11.2001. Ich stand seinerzeit vor diesem Monument, hatte die Bilder vom Einsturz im Kopf, wie wir sie alle gesehen haben, und  bekam eine Gänsehaut, wie ich diese riesigen Originalteile sah und auch anfassen konnte. Aus Baltimor sind insgesamt 32 Bürger bei diesem Unglück ums Leben gekommen. Ich habe die Bilder der Umgekommenen auf einer Gedenktafel im Inneren des World Trade Center gezählt. Dass, eine Erinnerung an meinen Besuch in Baltimor.

Zurück  zu unserem Ausflug.
Unsere Fahrt ging weiter. Wir sind in Sneek angekommen, aus dem Bus ausgestiegen, ging es durch eine kleine Gasse  zur Destilliere“

WEDUWE  JOUSTRA  BEERENBURG“. Wir sind angemeldet zu
einer Besichtigung und Verkostung der bekannten und beliebten Kräuter-Liköre, in den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen. Gegründet im Jahre 1864, befindet sich diese Destille bis heute in der 6. ten  Generation, unter der Leitung von Heleen Sonnenberg, im Familienbesitz. Jetzt, 151  Jahre später, macht die Ur Ur Ur Enkeltochter noch immer ihren“ Beerenburg“ mit seiner Kräutermischung. In 1645  gründete Hendrik Beerenburg eine Kräuter Großhandlung und verpackte diese am Stroomarkt 9 in Amsterdam. Die Schiffer auf den „Skùtjes“ (Schiffen) kauften diese kleine Pakete und ließen sie im Genever oder Branntwein ziehen. Der Aufguss bekam den Namen vom Entdecker „Beerenburg“ und wurde als Medizin verwendet. Im Jahre 1864 hat Anjenette Joustra, nachdem Ihr Mann früh verstorben war, am Kleinzand in Sneek angefangen unter anderem Beerenburg herzustellen. Sie tat dies mit den  Kräuter und der Rezeptur von Hendrik Beerenburg.  Am Gleichen Ort  werden auch heute noch in einer modernen Anlage diese leckeren Liköre hergestellt.

Nach Beendigung der Führung durch eine Charmante Nieder-länderin, konnten alle  Liköre vom Zitronengeschmack über Lakritz und Kräuter usw. probiert werden. Unser Niederländer Bert hat bei den Erklärungen der Führung fleißig gedolmetscht, weil die nette Niederländerin nicht allzu gut Deutsch konnte. Nach dem Besuch der Destille war freies Manöver in Sneek angesagt.

Mittlerweile war Mittagszeit und wir hatten Hunger. Es war Samstag und an den Grachten war ein Wochenmarkt mit vielen Ständen aufgebaut. Was lag da näher, als eine Fischbude anzusteuern, an der schon einige unserer

Shanty-Männer Kibbeling  (kleine gebratene Fischstücke) mit Appetit  verspeisten. Wir uns angestellt, und schon hatten wir nach einer Weile auch eine Pappschale mit dieser leckeren niederländischen Fischspezialität, um unseren Hunger zu stillen. Hierfür wird entweder Kabeljau, Seelachs oder Seehecht verwendet. Gestärkt ging es jetzt weiter in die Innenstadt. Dort gab es für uns eine große Überraschung.
In Sneek fand ein  Shanty-Festival, mit ausschließlich niederländischen Chören statt. Na, das ließen wir uns natürlich nicht entgehen.

Wir suchten uns einen günstigen Platz in einer Kneipe, gegenüber einer Bühne, auf der im Wechsel, ein Chor nach dem anderen seine Lieder zum Besten gab. Wir konnten gemütlich unseren Kaffee oder unser Bierchen trinken, hatten eine Sitzgelegenheit, das Wetter war prächtig, und die Chöre zum Teil ganz gut.
Die Chöre rotierten auf verschiedenen Bühnen, verteilt in der ganzen Stadt Sneek.

Das war ein Nachmittag ganz nach unserem Geschmack, zumal Volker auch noch auf den Sneeker Shanty Chor traf, mit dem er vor vielen Jahren, noch Chorleiter in Köln, schon einmal zusammen in Sneek musiziert hatte.

Abschließend kann ich nur sagen, das war ein“ ungeplanter“ schöner Nachmittag.

Anschließend ging es im gelben Schulbus, beschwingt (nicht vom Alkohol) wieder zurück in unser Hotel. Wieder gab es ein leckeres “Veelgangenmenu“. Danach stand eine Whiskyverkostung unter der Leitung der sympathischen Aleid auf dem Programm. Wir versammelten uns an derselben Örtlichkeit wie zur Weinprobe, um auch hier wieder die Geschmacksnerven auf die Probe zu stellen. Die Wirtin hatte die verschiedensten Whiskysorten bereitgestellt, um den Shanty-Männern ein Geschmackserlebnis zu bereiten.  Wieder, ein bekanntes Bild. Die Gläser wurden  geschwenkt, an dem Inhalt der Gläser fachmännisch gerochen, die Flaschen begutachtet,  mit spitzer Zunge geschlürft, die Augenbrauen hochgezogen, und sonstige mimische Gesichtsverrenkungen angestellt, um den Genuss zu erhöhen. Oder vielleicht auch um Fachkunde anzuzeigen??
Wieder viele unwahrscheinlich Kenntnisreiche Kommentare. Dazu eine lebhafte Beteiligung an der Sortendiskussion. Die Wirtin hat fleißig mitdiskutiert und Erklärungen zu den Einzelnen Sorten abgegeben. Es war sogar ein Blend-Whisky aus Bolsward /Friesland  im Angebot. Auch diese Veranstaltung wieder gelungen und  unterhaltsam.

Die Wirtin Aleid  ist eine taffe und geschäftstüchtige Nieder-länderin, die zusammen mit ihrem Mann Frans weiß, was bei den  Gästen ankommt damit sie sich wohlfühlen. Selbst-verständlich wurden an den Abenden zusammen mit unserem Chorleiter Volker auch einige musikalische Einlagen in gemütlicher Runde vorgetragen.

Sonntag, Tag vier.

Sonntag war in  Delfstrahuizen am Kanal entlang, zur

Einweihung einer Festhalle,  ein Markt mit Kinderbelustigungen, und vielerlei Buden aufgebaut, an denen allerlei Spezialitäten angeboten wurden. Da ein Mittagessen an diesem Tag nicht mehr vorgesehen war, wurde von vielen Kameraden an der Fischbude wieder der leckere  „Kibbeling“  mit Knoblauchsoße gegessen. Es war vereinbart, dass wir gegen Mittag wieder zur Rückfahrt nach Hause, abgeholt würden. Die Zeit bis dahin konnte jeder nach eigenem Gusto gestalten.  Bis auf einen kleinen Gesangsauftritt auf der Terrasse, von der Wirtin gewünscht, für die Gäste des Restaurant und die Besucher der Ausstellung im Hotel, waren keine weiteren gemeinsamen Aktivitäten mehr angesagt.

Unbedingt erwähnen möchte ich noch, dass Aleid die Wirtin, sich mit Runden auf das Haus, nicht lumpen lies, und  einige Riesen-schnäpse und Bierchen spendierte.

Ein Dank auch für die Runden, von Helmut, Ernst, + Günther, die uns gemundet haben. Wir möchten uns an dieser Stelle  ganz herzlich bei Frans und Aleid für die tolle Gastfreundschaft in ihrem Hotel bedanken. Wir haben uns in  Eurem Haus alle sehr wohlgefühlt. Die Abendmenüs waren ein „ Knaller“ einfach Spitze. „Der Frans der kann´s“  

Der Bus, ein kleineres Modell wie auf der Hinfahrt, kam pünktlich. Nach einer Fahrerpause wurde das Gepäck eingeladen und es ging zurück nach Hause Richtung Frechen. Der schweigsame Russe hat uns wieder problemlos nach Bachem zurückgefahren. Es war eine sehr schöne Fahrt. Die bei vielen Kameraden, “Alte + Schöne“ Erinnerungen wach gerufen hat.

Ich danke im Namen aller Teilnehmer,  den Organisatoren  für die gute Planung,  gelungene Durchführung und Idee zu dieser tollen  „Se(h)ereise. Ich hoffe ihr hatte etwas Spaß beim Lesen diese Reiseberichtes und verbleibe bis demnächst.

tot ziens

 Text: Wilfried Möller

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